Da hatte ich mir ja schön was angelacht ...

Eine frühe Weiler LZ 280. Eigentlich war sie zum Ausschlachten / Verschrotten vorgesehen. Aber, ich fand, dafür ist sie zu schade.

Einige Teile fehlten zwar, aber, was solls.
Die Maschine muss einige Zeit in einer Holzwerkstatt gestanden haben. Öl und Fett kannte man dort wohl nicht ... kommt ja auch nicht so gut im Zusammenhang mit Holz.

Das Nortongetriebe z.B. war nur mit sanfter Gewalt auseinander zu bekommen. Die Zahnräder waren mit gepressten Holzspänen zugesetzt. Aber, Respekt den Herstellern:
alles schön sauber gemacht und unter Öl gebracht - funktioniert einwandfrei und lässt sich sogar wieder schalten.

Wechselrädergetriebe: Wo ist denn die Schere? ... nicht da!
Gut: wir basteln uns also eine Schere. Zwar nicht aus Guss, sondern aus Stahl, aber das wird wohl auch gehen. Zum Glück ist ja Werkzeug vorhanden.

Und dann ab da mit in die Maschine - und siehe da: es gibt wieder ein Wechselrädergetriebe
 
... büschen Farbe ist auch schon drauf - welch ein Unterschied - wieder in der Originallakierung. Zwischenzeitlich war sie wohl froschgrün, rot und Hammerschlag grün gewesen.
Jedenfalls den Farbschichten nach zu urteilen.

Klappe zu beim Wechselradgetriebe - Fehlanzeige! Der Zuhalter war weg.
Eine Klammer hatte ich noch in der Grabbelkiste. Also eine neue Aufnahme gefertigt, neuen Halter angebaut ... und Klappe zu
 
sieht doch schon wieder richtig gut aus ...
Das Druckstück, um den Werkzeugschlitten fest zu stellen, war auch weg. Also neu. Auf dem rechten Bild hinten in der Mitte sieht man es eingebaut.
 
Auch unscheinbare Kleinstteile können es in sich haben:
Über dem Zahrad für den automatischen Vorschub an der Spindel des Planschlittens fehlt eine Abdeckung. Ist, denke ich, recht wichtig, damit dort
keine Späne reinkommen und dann womöglich bis in den Schlosskasten fallen.
... aber verdammt wenig Platz

1 mm Materialstärke passt gerade eben noch dazwischen. Nur das Zahnrad steht oben etwas über und schleift unten an der Abdeckung.
Gut: Dremel angeworfen und vom 1 mm dicken Blech vorsichtig dort, wo es schleift, Material per schleifen so lange abgetragen, bis das Zahnrad frei läuft.
Eine Geduldsprobe. Ich hatte schon Befürchtungen, dass ich das Blech durchschleif. Aber, das gehört wohl so. Jedenfalls passte es dann irgendwann.


Dem 1. wirklich größere Problem stand ich dann nach Ab- und Auseinanderbau des Schlosskastens gegenüber:

huch ...da fehlt doch was

hmmm ... und der Lagerbock für Schnecke/Schneckenrad für automatischen Vorschub: kaputt
Einziger Lichtblick: der Vorschub per Leitspindel ist komplett, Mutter und Schaltmechanik vorhanden und funktioniert (weiter links, nicht auf dem Bild).
Aber von der eigentlich dort hingehörenden Zahnradversammlung keine Spur.
Und nu??? Zeichnungen? Ein paar Übersichtszeichnungen aus der Betriebsanleitung. Aber die Anzahl der Zähne der Zahnräder ist dort abgedruckt und es
entwickelte sich so eine Ahnung, wie das aussehen könnte.

Zahnräder gibt's bei Mädler und die kleine Schwester der neuen alten Drehe funktioniert ja noch
 
Den alten Lagerbock hab ich komplett weg gefräst und einen neuen gebaut.
Blieb noch das Problem mit der Schaltwippe, also dem Teil, dass zwischen off, Längstvorschub und Planvorschub umschaltet.
Aber, das ließ sich dann mit einigem Hin und Her, überlegen und ausprobieren auch lösen.
Das Teil wurde zwar 4 Mal gebaut und landete 3 Mal im Schrott, aber am Ende wurde es dann doch was.


So rein nebenbei war dann auch noch mal schnell was an Werkzeug zu bauen. Ein Ausziehwerkzeug für Lagerschalen, Montagewerkzeug für die Hauptspindel usw.
 
und die originale Leitspindel war auch irgendwann mal irgend wo anders verwurstet worden. Jedenfalls war sie weg.
Da erschwinglich keine als Ersatzteil zu bekommen war (TR 22 x 3 ist nicht in der Normreihe) musste wieder die kleine Schwester herhalten. Eingentlich war sie
völlig überfordert und DAS war echt mühsam, aber schlussendlich entstand mit viel Gedunld eine neue, verwertbare neue Leitspindel.

Für die neue Zugspindel konnte glücklicher Weise Standardmaterial verwendet werden. Und so ein paar Modifizierungen, wie Austausch eines Gleitlagers am
Nortongetriebe gegen ein Nadellager, Ergänzung einer Schaltwelle usw. schreckten dann auch nicht mehr. Jedenfalls ging es nun langsam gegen fertig.


Noch ein paar Schubladen für den Werkzeugschrank, ein Gehäuse für die Kühlmittelpumpe, die Elektrik und es sahr schon wieder nach einer Drehbank aus
  

Letztes Problem: die Verbindung Zugspindel - Nortongetriebe.
Da gehört eigentlich eine Sicherheitsrutschkupplung hin. Die LZ 280 ist ein relativ frühes Modell hatte hier eine feste Verbindung. Vielleicht war deshalb
auch das Getriebe des Schlosskastens kaputt gegangen.
Alles, was es fertig gab, war entweder zu teuer oder passte von den Abmessungen her nicht.
Also: Bastelstunde - eine Rutschkupplung mit einstellbarem Auslösedrehmoment war gefordert.

Die maschinenseitige Aufnahme am Nortongetriebe war vorgegeben.

Die Innereien, die in das Loch versenkt werden. Durch Kugeln gekoppelt, mit einer Druckplatte und einem Stapel Tellerfedern drauf.
  
Eine Mutter, die auf das M42x1 Gewinde der Aufnahme aufgeschraubt wird und die Federn einstellbar vorspannt und eine 2. Mutter, die über Stössel und einen Druckring
das ganze gegen selbständiges Verstellen sichtert.
  
Funktioniert (sogar)!

Sodele, das wars .... Bislang leistet die Drehbank gute Dienste.

Noch ein paar Futteraufnahmen kamen dazu und für mich das Beste eigentlich: Günstig an eine schöne Drehbank gekommen und nicht zuletzt
alte Wertarbeit vor dem Einschmelzen gerettet und eine Menge Spaß beim Wiederaufbau gehabt.