Wir trainieren die Feinmotorik
oder
Auch ein Tacho lässt sich heil machen
So im Nachhinein betrachtet war diese Aktion eher leicht daneben. Vom
Aufwand her hätte ich auch gleich eine neue Welle fertigen
können und ich hab so meine Zweifel, dass DAS hier wirklich
auf Dauer hält. (Nachtrag: nach 5 Jahren im Betrieb funktioniert das erstaunlicher Weise immer noch!)
Aber, wie wir norddeutschen Dickschädel so sind: Einmal
angefangen wird das gnadenlos bis zum Ende durchgezogen.
Aber immer der Reihe nach.
Die Ausgangssituation. Der Tacho von meiner PC01:

Der Rückstell-Nöppi fürs Zählwerk
des
Tageskilometerzählers ist abgebrochen. Ergebnis: nix mehr
Tageskilometerzähler.
Im CX500-Forum hatte ich gelesen, dass es mal einer erfolgreich mit 2
Bohrungen und einem Stück Draht repariert hatte.
Idee - das mach ich auch.
Erst mal das Gehäuse vom Tacho durch Aufbiegen des
Bördelrings öffnen. Schön von unten, dann
sieht man
später die Macken nicht.

Das forderte ja schon leicht die Feinmotorik. Ging aber ganz gut.
Der offene Tacho.

Und jetzt das Zählwerk vom Tageskilometerzähler raus.
Die Anforderungen an die Feinmotorik werden langsam gesteigert.
Das Zählwerk wird durch 2 Kunststoffteile gehalten, die
verpresst sind. Da sind so 2 Metallnasen die die halten und die
müssen weg. Abflexen!
Wobei: dies Proxxonwerkzeug will erst noch eine Flex werden

Mit der kleinen Flex - 100er Scheibe - hab ich mich nicht getraut.
Wobei, wenn das die Kleine ist, was ist das denn hier
Das ausgebaute Zählwerk, dass nun auch noch auseinander muss.

Und das nun auch noch auseinander.
Wir trainieren weiter die Feinmotorik
Achtung: Falls das mal einer nach macht. Fenster zu! Sonst gibt es nach
einem Windstoss stundenlanges Gesuche nach Kleinteilen.

Zum Vergleich mal ein 1,90 Meter Zollstock.
(Rarität! Normale sind 2 Meter. Wollte bei eBay aber leider
keiner haben)
DAS soll ingendwann irgendwie wieder zusammen.

Gemein, aber logisch ist, dass die Welle gerade an einer Nut gebrochen
ist. Na ja, an einem ein Nütchen:
0,5 mm breit, 0,5 mm tief. Die Welle hat 3 mm Durchmesser, bleiben 2 mm
Durchmesser da, wo das Nütchen ist.
Und da ein Loch rein
Einsicht: Dat ward nix. Kannste knicken - im wahrsten Sinne.
Aber, sind wir schon mal hier ...
Der Plan: Nut weg und ein 2 mm dickes Stück einsetzen. Dazu in
die Welle ein 2 mm Loch bohren und ein Stück einsetzen, das
0,5 mm länger ist, als die Löcher tief sind. Dann
ergibt sich automatisch wieder dies Nütchen.
Ein 2 mm Loch in eine 3 mm Welle
- da muss die Drehbank ran.
Was ein Glück, dass da seinerzeit auch eine 2 mm Spannzange
bei war. Ich hatte mich immer schon gefragt, wozu um alles in der Welt
so eine Spannzange bei so einer Maschine gut ist.
Erstmal den Rest von der Nut weg machen und planen.

Verdammich, wo ist meine Lupe
Und dann mit einem Zentrierbohrer, der einen 2mm Zapfen hat, ein Loch
in jedes der Fragmente bohren.

Dann ein Stück 2 mm Rundmaterial (von einer langen Schraube
eines SubD Steckergehäuses - hier wird alles verwurstet
)

exakt auf die geforderte Länge bringen.
Das sieht ja schon mal ganz gut aus und passt sogar noch.

Aber, das jetzt einfach so mit Loctite Welle/Nabe verkleben ...
Das gibt bestimmt eine Nut voll Loctite und wird schief oder verjackelt
beim Versuch, rausquellendes Loctite zu entfernen.
Eine Montagevorrichtung muss her. Man gut, dass die Restekiste noch
einen kleinen Aluklotz hergibt.
Dazu ein 3 mm Loch nahe am Rand gebohrt und dann bis fast zur Mitte des
Lochs Material weggefräst.
Dann dort, wo die Klebestelle sein wird, so viel Material weg, damit
man da gut ran kommt.

Denn mal los: montieren und alles rausquellende Klebemittel entfernen.

Und dabei schön aufpassen, dass am Ende nicht die Welle mit
der Montagevorrichtung verklebt ist.
Wo ist diese Lupe nur schon wieder?!
Nachdem der Kleber ausgehärtet ist:

Sieht doch richtig gut aus
... Na ja - 'n bisschen vermackelt.
Aber sieht ja keiner und die Längstnut ist in Echt 1 mm breit.

Wider Erwarten dank Loctite Welle Nabe ist das sogar richtig stabil.
Noch etwas mit Minifeilen nachbearbeiten und dann alles wieder zusammen.
*überleg* Vielleicht kann man solche Aktion als Seminar
"Feinmotorisches Training" sogar noch vermarkten?
Um die Kunstoffhalter wieder fest zu kriegen durfte dies Proxxonteil
wieder Flex spielen. 2 Schlitze neben den Sitz geschnitten, damit sich
neue "Nasen" ergeben


Fenster hatte ich zu. Also sollten die Kleinteile, die das
Zählwerk bilden auch noch alle da sein.
Was ein Gefriemel, das alles wieder zusammen zu stecken.
Ob das wohl irgend was mit Zen und Buddhismus und so zu tun hat? So mit
Gelassenheit und Geduld üben ? Güllepumpe is ja
ursprünglich Japaner.
Feinstmotorik und immer schön ruhig und geduldig - und das
mir, als Grobmotoriker.
Aber irgendwann nach gefühlten Stunden war das dann zusammen.
Zählwerk rein und die neuen Nasen mit einem Schraubenzieher
umbiegen und mit einem kleinen Versenker und einem gezielten leichten
Hammerschlag zum Schluß weiter umbiegen. Das Chassismaterial
hat immerhin 1,5 mm und nix mit im Schraubstock einspannen und so..
Feddich - bereit zum Test - funktionier!
Um den Bördelring wieder zu schließen musste dann
die Restekiste noch mal herhalten. Ein Stück dickes, fast
passendes Rohr war da.
Eeeeendlich - deutlich sichtbare Werkstücke.
Das Rohr musste innen etwas runder werden und die Kanten etwas planer.

Und ab - alles zusammen stecken.

Halt! hätte ich doch fast vergessen, Ober- und Unterschale des
Tachogehäuses richtig hin zu drehen. Am Unterteil sind ja die
Innereien fest und durch das Oberteil muss der Dödel zum
Zurückstellen des Tageskilometerzählers. Das
hätte Megafrust gegeben, wenn ich die verdreht hätte.
Noch mal Schwein gehabt.
Dann das Teil ins Rohr und immer immer schön rund rum. Die
letzte Runde hat dann noch ein Dorn geholfen, damit es auch
schön zu ist.
Ich glaub nicht, dass ich das Teil je wieder auf mach.

Na, egal - jedenfalls hat Ulli's Pumpe jetzt wieder einen
funktionierenden Spritanzeiger äh' wollte sagen
Tageskilometerzähler.

Aber, wie schon oben gesagt: Nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen, es sei
denn, jener ist Feinfummler oder Masochist oder sonst irgendwie nicht
ganz normal.